Wer die Kontaktquote im Kundenservice senken will, braucht zuerst eine Zahl, die der reine Gesprächszähler verdeckt: Brauchen Kunden häufiger Hilfe, oder kaufen sie einfach mehr? Verkauft ein Shop doppelt so viel, sind doppelt so viele Fragen keine Verschlechterung. Bleiben die Bestellungen gleich und die Fragen nehmen zu, ist im Angebot, beim Versand oder in der Kommunikation etwas unklar geworden. Deshalb sind Kontakte pro 100 Bestellungen aussagekräftiger als die bloße Anzahl.

Dieser Leitfaden führt durch vier Schritte: eine feste Definition, ein Grund für jeden Fall, die Auswahl der zwei größten Gründe und eine Korrektur dort, wo die Frage entsteht. Eine Norm wie „ein guter Shop hat so und so viele“ findest du hier nicht. Sortiment, Preis und Versandart verschieben das Ergebnis so stark, dass nur dein eigener Vorzeitraum ein fairer Vergleich ist.

So berechnest du Kontakte pro 100 Bestellungen

Die Formel ist einfach: Kontakte im Zeitraum geteilt durch Bestellungen im selben Zeitraum, mal 100. Schwierig ist das Wort „Kontakt“. Ein Kunde schreibt vielleicht im Chat, schickt danach eine E-Mail und bittet zusätzlich um Rückruf, alles zum selben Anliegen. Zählst du das als drei Kontakte, steigt die Quote nur wegen verstreuter Kanäle und nicht wegen neuer Probleme.

Lege die Definition einmal fest und notiere sie neben dem Ergebnis. Die Tabelle zeigt die Entscheidungen vor der ersten Messung. Jede davon verändert die Zahl, und ein Wechsel mitten im Jahr macht den Vergleich mit früheren Wochen wertlos.

Scrolle die Tabelle seitlich, um alle Spalten zu sehen.

EntscheidungEmpfohlene WahlWarum
EinheitEin Fall, nicht eine einzelne NachrichtEin langer Austausch bleibt ein Problem
KanäleAlle Kanäle, über die Kunden fragenFragen vom Chat in die E-Mail zu verlagern ist keine Verbesserung
Fragen vor dem KaufGetrennt gezähltBeratung bei der Auswahl ist Verkauf, kein Bestellaufwand
ZeitraumKalenderwocheEin Monat verdeckt Spitzen, ein Tag schwankt zufällig
Quelle der BestellungenDein ShopsystemEin Servicetool kennt die Bestellzahl nicht

Die letzte Zeile gilt für jedes Servicetool: Fallzahlen stammen aus einem System, Bestellzahlen aus einem anderen. Ziehe beide für denselben Datumsbereich und in derselben Zeitzone. In der Meetlead-Analyse siehst du Gespräche und Tickets für einen gewählten Zeitraum und exportierst Daten als CSV oder XLSX, die Bestellzahl übernimmst du aber aus dem Shop-Backend.

Jeden Kontakt mit einem Grund markieren

Die Quote sagt dir, dass sich etwas verändert hat, aber nicht was. Dafür braucht jeder Fall beim Abschließen einen Grund. Für einen Shop reicht zum Start eine kurze Liste: Versand, Retoure oder Reklamation, Produkt nach dem Kauf, Adressänderung, Zahlung und „Sonstiges“. Wie du ein breiteres Set aufbaust und pflegst, beschreibt der Leitfaden zum Taggen von Gesprächen und Tickets; hier zählt nur die Dimension „Warum hat sich der Kunde gemeldet“.

  • Ein Hauptgrund pro Fall, auch wenn der Kunde zwei Dinge fragt.
  • Der Grund wird beim Abschließen gewählt, wenn klar ist, worum es wirklich ging.
  • Eine kurze Beschreibung pro Tag, damit zwei Personen denselben Fall gleich markieren.
  • Fragen vor dem Kauf bekommen ein eigenes Tag und bleiben außerhalb der Quote.
  • Das Tag „Sonstiges“ wird wöchentlich geprüft, weil dort neue Probleme zuerst auftauchen.

In Meetlead haben Tags eine eigene Farbe, eine Beschreibung und einen Nutzungszähler, und du kannst das Postfach nach mehreren Tags gleichzeitig filtern. Ein im Gespräch vergebenes Tag landet allerdings im Kundenprofil, daher zeigt der Zähler, wie viele Personen es gerade tragen, nicht wie viele Fälle in dieser Woche kamen. Trage für die Wochenübersicht deshalb den Grund jedes abgeschlossenen Falls in eine Tabelle ein oder notiere den Zählerstand an einem festen Wochentag und nutze die Differenz als Näherung.

Zwei Gründe wählen, den Rest zurückstellen

Rechne nach zwei, drei Wochen jeden Grund auf 100 Bestellungen um. Korrigiere nicht alles gleichzeitig: Bei mehreren parallelen Änderungen weißt du nicht, welche gewirkt hat. Nimm die zwei Gründe mit dem höchsten Wert und lies zu jedem ein gutes Dutzend Gespräche.

  1. Gründe umrechnen.Teile für jedes Tag die Zahl der Fälle durch die Zahl der Bestellungen und multipliziere mit 100. Sortiere die Gründe absteigend.
  2. Stichprobe lesen.Öffne ein gutes Dutzend Gespräche aus den zwei obersten Gründen. Notiere die wörtlichen Kundenfragen statt deiner eigenen Zusammenfassung.
  3. Ort finden.Kläre, wo der Kunde direkt vor der Frage war: auf der Produktseite, im Warenkorb, in der Mail nach dem Kauf oder auf der Retourenseite.
  4. Korrektur benennen.Halte eine Änderung, eine verantwortliche Person und ein Datum fest, damit du später die Wochen davor und danach vergleichen kannst.

Ein fiktives Beispiel: Ein Shop für Fahrradzubehör sieht, dass die meisten Fälle Versand und Größenwahl betreffen. Gespräche zum Versand beginnen mit „Wann verschickt ihr?“ und nicht mit „Wo ist mein Paket?“, also fehlt in der Bestellbestätigung das Versanddatum. Gespräche zur Größe betreffen eine Helmserie ohne Größentabelle. Wenn unklar ist, woher eine Frage kam, helfen Sitzungsaufzeichnungen, sofern sie auf der Website aktiviert sind, weil sie den Weg vor dem Gespräch zeigen.

Die Frage dort beseitigen, wo sie entsteht

Meist landet die Korrektur an einer von drei Stellen. Produktfragen löst eine vollständigere Produktseite: Maße, Kompatibilität, Material, Lieferumfang. Fragen zu Rückgaberegeln löst ein Hilfeartikel, der dort verlinkt ist, wo der Kunde entscheidet. Fragen zum Versanddatum löst die Bestellbestätigung, und weitere Fragen zum Paket behandelt ein eigener Leitfaden zu Fragen wie „Wo ist meine Bestellung?“.

Vorlage für die Bestellmail

„Wir bereiten deine Bestellung [Nummer] bis [Tag] für den Versand vor. Sobald das Paket beim Versanddienstleister ist, schicken wir dir einen Tracking-Link. Wenn du die Adresse ändern willst, antworte bis [Uhrzeit] am Bestelltag auf diese Mail.“ Trage nur Termine ein, die dein Lager tatsächlich einhält.

Die Richtlinie 2011/83/EU (Art. 8 Abs. 7), anwendbar seit dem 13. Juni 2014, verlangt, dass der Unternehmer dem Verbraucher bei Fernabsatzverträgen innerhalb einer angemessenen Frist, spätestens bei Lieferung der Ware, eine Bestätigung des Vertrags auf einem dauerhaften Datenträger zur Verfügung stellt. Die EU-Staaten setzen sie in nationales Recht um, prüfe also die Regeln des Landes, in das du verkaufst. Ob die Nachricht ein Versanddatum enthalten muss, regelt sie nicht. Dieser Text ist keine Rechtsberatung: EUR-Lex, Richtlinie 2011/83/EU.

Die Shopify-Hilfe beschreibt automatische Benachrichtigungen zu Bestellung und Versand als Vorlagen, die Händler anpassen können, auch mit Bestelldaten. Sie belegt nicht, dass ein bestimmter Wortlaut weniger Fragen auslöst; das zeigen deine eigenen Tags: Shopify, Shop-Benachrichtigungen.

Lösche nach der Korrektur das Tag nicht und ändere seine Beschreibung nicht. Vergleiche denselben Grund pro 100 Bestellungen in den zwei, drei Wochen vor und nach der Änderung. Sinkt der Wert nicht, geh zurück zu den Gesprächen: Vielleicht steht die Information an einer Stelle, die der Kunde nie besucht.

Spitzenwochen im vierten Quartal

November und Dezember verändern sowohl die Zahl der Bestellungen als auch ihre Zusammensetzung: mehr Geschenke, mehr Erstkunden, knappere Fristen. Vergleiche eine Spitzenwoche deshalb vor allem mit derselben Woche im Vorjahr, sofern die Definition gleich geblieben ist. Wie du normale Schwankung von echter Veränderung unterscheidest, beschreibt der Leitfaden zur Saisonalität von Traffic und Anfragen.

Prüfe vor der Hochsaison die Gründe aus dem Vorjahr und behebe die zwei größten rechtzeitig. Achte in der Spitze selbst auf Gründe, die schneller wachsen als die Bestellungen, etwa Zahlungsfragen nach einem Ausfall des Zahlungsanbieters oder Lieferfragen vor Weihnachten. Wie du das Team für diese Zeit organisierst, beschreibt ein eigener Leitfaden zum Kundenservice am Black Friday.

Weniger Kontakte, aber nicht durch versteckte Buttons

Die Quote lässt sich auf die schlechteste Art senken: Chat, Formular und E-Mail-Adresse verstecken. Die Probleme der Kunden verschwinden dadurch nicht; sie schreiben Bewertungen, verweigern die Annahme oder kommen nicht wieder. Prüfe deshalb bei jeder Korrektur, ob der Zugang zum Kontakt so leicht bleibt wie vorher. Wie du Fälle misst, die ohne Gespräch gelöst werden, beschreibt der Leitfaden zur Self-Service-Quote.

In Meetlead stehen Artikel aus dem Hilfecenter im Widget neben dem Chat, und Besucher können abstimmen, ob ein Artikel geholfen hat. Veröffentlichte Artikel fließen außerdem in das Wissen von Meet AI ein. Im Selbstbedienungsmodus können Kunden den Assistenten wählen, im Hybridmodus steht er bereit, wenn niemand aus dem Team verfügbar ist. Fehlt ihm eine Information, bietet er an, die Frage an dein Team weiterzugeben. Meet AI benötigt eine aktive App und einen Plan, der die Funktion enthält.

Die Kontakte pro 100 Bestellungen funktionieren am besten als eine von wenigen Zahlen in einer Monatsübersicht. Wie du so ein Dokument aufbaust, beschreibt der Leitfaden zum Kundenservice-Bericht. Ergänze dort zwei Zeilen: den Grund, den du verbessert hast, und seinen Wert vor und nach der Änderung.

Fragen zu Kontakten pro 100 Bestellungen

Welcher Wert ist gut? Eine allgemeingültige Norm gibt es nicht. Ein Shop für Elektronik auf Bestellung und ein Kaffee-Abo-Shop haben völlig unterschiedliche Werte. Vergleiche dich mit deinen eigenen Wochen bei gleicher Definition und setze Ziele für einzelne Gründe, nicht für die gesamte Quote.

Zählen Fragen vor dem Kauf mit? Zähle sie getrennt. Ein Beratungsgespräch zur Produktwahl endet oft mit einer Bestellung, und es mitzuzählen würde den Shop dafür bestrafen, beim Verkauf zu helfen. Die Quote pro 100 Bestellungen umfasst Fälle zu bereits aufgegebenen Bestellungen.