Ob ein Slider auf der Startseite sinnvoll ist, beantworten weder Befürworter noch Gegner, denn keiner von ihnen kennt deine Website. Drei Fragen entscheiden: Klickt jemand auf Folien nach der ersten, nutzt jemand die Pfeile, und scrollen Besucher auf dem Smartphone überhaupt unter das Karussell? Lauten die Antworten nein, sind die weiteren Folien Dekoration, die dich Platz im ersten sichtbaren Bereich kostet. Lauten sie ja, arbeitet der Slider vielleicht tatsächlich.

Dieser Leitfaden behandelt nur das Karussell und den Test mit deinen eigenen Daten. Allgemeine Regeln dafür, was oberhalb der Scrollgrenze stehen sollte, findest du im Beitrag zum ersten sichtbaren Bereich deiner Website. Hier legst du fest, was du misst, wie du das Ergebnis auf Smartphone und Desktop liest und wann ein einzelnes Banner den Slider ersetzen sollte.

Was du prüfst, bevor du den Slider entfernst oder verteidigst

Der Streit um Karussells stützt sich meist auf fremde Daten. Deine Entscheidung braucht vier Beobachtungen von einer Seite, getrennt nach Gerät und in einem Zeitraum erhoben, in dem sich die Folien nicht geändert haben. Jede beantwortet eine andere Frage, keine reicht allein.

Scrolle die Tabelle seitlich, um alle Spalten zu sehen.

FrageDatenquelleZeichen, dass der Slider nicht arbeitet
Klickt jemand auf spätere Folien?Elementranking der KlickmapLinks ab Folie zwei tauchen kaum auf
Nutzt jemand Pfeile und Punkte?Klicks auf die SteuerelementePfeile haben weniger Klicks als Logo oder Menü
Scrollt auf dem Smartphone jemand weiter?Scrollmap für SmartphonesDie meisten Aufrufe enden auf Höhe des Sliders
Was passiert beim Folienwechsel?Aufzeichnungen von Besuchen dieser SeiteBesucher scrollen weiter oder gehen, bevor Folie zwei erscheint

Notiere außerdem, was auf jeder Folie steht und wohin ihr Link führt, damit du später eine schwache Position von einem schwachen Angebot unterscheiden kannst.

Klicks auf den Link jeder Folie und auf die Pfeile

Die Klickmap hat beim Karussell eine Grenze: Der Hintergrund zeigt die Seite im Moment der Aufnahme, also mit einer einzigen sichtbaren Folie. Ein Farbfleck auf diesem Bild verrät daher nicht, welche Folie jemand angeklickt hat. Schau stattdessen auf das Elementranking, in dem jeder Folienlink und jedes Steuerelement als eigene Position mit Klickzahl erscheint. Wie du die Karte selbst liest, zeigt der Leitfaden Heatmaps auswerten, ohne zu spekulieren.

Sind die Folienlinks im Code ähnlich aufgebaut und schwer zu unterscheiden, gib ihnen lesbare Namen. Mit dem Attribut data-livechat-track speichert das Meetlead-Widget den Klick als Ereignis mit deinem Namen im Besuchsverlauf. Kennzeichne Pfeile und Navigationspunkte auf die gleiche Weise.

Namensschema zum Kopieren

Folienlinks: slider-folie-1, slider-folie-2, slider-folie-3. Steuerelemente: slider-pfeil-weiter, slider-pfeil-zurueck, slider-punkt. Notiz: Datum der letzten inhaltlichen Folienänderung und Gerät, von dem die Daten stammen.

Vergleiche Folienklicks mit anderen Elementen derselben Seite, nicht mit einem allgemeinen Richtwert. Hat der Weiter-Pfeil so viele Klicks wie ein Link im Footer, suchen Besucher ihn nicht. Bei wenig Traffic prüfst du, ob die Stichprobe überhaupt Schlüsse erlaubt: Das Meetlead-Panel markiert eine Karte ab 50 Aufrufen einer Seite auf einem Gerät als bereit, und wie du mit dünnen Daten umgehst, erklärt der Beitrag wie viele Besuche eine Heatmap braucht.

Smartphone: Scrollt jemand am Karussell vorbei

Auf dem Smartphone füllt ein Slider oft den gesamten ersten Bildschirm, darunter ist vom nächsten Abschnitt nichts zu sehen. Die Scrollmap für Smartphones zeigt, welcher Anteil der Aufrufe über die Höhe des Karussells hinauskam. Öffne sie getrennt für Smartphone und Desktop, denn dasselbe Karussell hat im Verhältnis zum Bildschirm jeweils eine andere Höhe.

Markiere die Stelle, an der der Slider endet, und lies die Reichweite direkt darunter ab. Ein steiler Abfall genau dort deutet darauf hin, dass das große Bild wie das Seitenende wirkt. Wie du einen solchen falschen Boden von einem normalen Ausstieg unterscheidest, beschreibt der Beitrag zur Scrolltiefe. Behalte den Unterschied im Blick: Wer unter den Slider scrollt, hat damit noch nicht Folie zwei gesehen.

Aufzeichnungen: Wartet jemand auf die nächste Folie

Zahlen sagen, wie viele Personen geklickt haben. Eine Aufzeichnung zeigt die ersten Sekunden: Schaut jemand dem Folienwechsel zu, scrollt sofort weiter oder versucht, das Bild mit dem Finger zu wischen, ohne dass etwas passiert? Wähle einige Aufzeichnungen von Smartphones und Desktops derselben Seite aus und schau dir nur den Abschnitt bis zum Verlassen des Karussells an.

  • Wie viele Sekunden vergingen, bis die Person unter den Slider scrollte
  • Ob die zweite Folie überhaupt Zeit hatte zu erscheinen
  • Ob jemand eine Folie gewischt oder auf die Punkte geklickt hat
  • Ob ein Klick eine Folie traf, die gerade verschwunden war
  • Ob die Person nach oben zurückscrollte, um etwas zu finden

Die letzten beiden Punkte wiegen schwerer, als es scheint. Ein Klick auf eine Folie, die genau in diesem Moment wechselt, führt woandershin als gewollt, und das Zurückscrollen zeigt, dass eine Information vorbeigehuscht und verschwunden ist. Von einem Punkt auf der Klickmap gelangst du zur Liste der mit diesem Element verknüpften Aufzeichnungen, sofern solche Aufzeichnungen im gewählten Zeitraum erhalten sind.

Erik Runyon beschrieb im Januar 2013 die Karussellklicks auf der Startseite der University of Notre Dame: Etwa 1 % der Besucher klickte auf ein Feature, und 84 % dieser Klicks entfielen auf die erste Folie; dieses Karussell wechselte nicht automatisch. Erik Runyon: Carousel Interaction Stats. Das ist Kontext von einer einzigen Website vor über zehn Jahren, kein Richtwert für dein eigenes Ergebnis.

Ein einfacher Vorher-nachher-Test mit statischem Banner

Zeigen deine Beobachtungen, dass spätere Folien nicht arbeiten, entferne das Karussell trotzdem nicht blind. Ersetze es durch ein einzelnes Banner mit der meistgeklickten Botschaft und vergleiche zwei Zeiträume. Ein fiktives Beispiel: Ein Möbelhändler hat vier Folien, und fast alle Klicks landen auf der ersten mit seiner Sofakollektion. Ein Banner mit dieser Kollektion und einem Button ist der naheliegende Kandidat für den Test.

  1. Ausgangswert festhalten.Sammle Folienklicks, Scrollreichweite auf Smartphone und Desktop sowie die Zahl der Anfragen über die Startseite im selben Zeitraum.
  2. Nur den Slider ändern.Setze ein statisches Banner an dieselbe Stelle. Lass Menü, Angebot und Kampagnen, die auf die Startseite führen, während des Tests unverändert.
  3. Vergleichbare Stichprobe sammeln.Zähle ab dem Tag der Änderung, getrennt nach Gerät, bis beide Versionen ähnlich viele Aufrufe haben und dieselben Wochentage abdecken.
  4. Drei Zahlen vergleichen.Klicks auf den Hauptbutton, Reichweite direkt unter dem Banner und Anfragen. Prüfe in Aufzeichnungen auch, ob jemand Inhalte entfernter Folien sucht.

Ein Vorher-nachher-Test ist kein A/B-Test: Zwischen den Zeiträumen ändern sich auch Traffic und Saison, daher ist das Ergebnis ein starker Hinweis, aber kein Beweis. Lässt dein Traffic es zu, beschreibt der Leitfaden zu A/B-Tests auf der Website, wie du beide Versionen gleichzeitig vergleichst. Zeigt sich nach der Änderung, dass der Button das Problem ist und nicht das Karussell, hilft die Diagnose aus dem Beitrag Niemand klickt auf den CTA-Button.

Wann sich ein Karussell verteidigen lässt

Ein Slider muss nicht verschwinden, wenn die Daten zeigen, dass Besucher ihn nutzen, etwa um Referenzprojekte im Portfolio oder Fotos eines einzelnen Produkts anzusehen. Dann ist das Karussell Inhalt, den jemand bewusst durchblättert, und kein Weg, mehrere Angebote auf einen Platz zu quetschen. Vertretbar ist auch ein Karussell mit einer zentralen Botschaft auf der ersten Folie, wenn die weiteren Folien sie nur ergänzen.

  • Die erste Folie sagt allein, was du anbietest und für wen
  • Folien wechseln nicht von selbst oder lassen sich anhalten
  • Auf dem Smartphone ist unter dem Karussell ein Teil des nächsten Abschnitts sichtbar
  • Jede Folie hat einen Link zu einem konkreten Ziel
  • Inhalte späterer Folien stehen auch weiter unten auf der Seite

Das WCAG-Erfolgskriterium 2.2.2 (Stufe A) verlangt eine Möglichkeit, Inhalte anzuhalten, zu stoppen oder auszublenden, die sich automatisch bewegen, länger als fünf Sekunden dauern und neben anderen Inhalten angezeigt werden. W3C: Understanding Pause, Stop, Hide. Das Kriterium betrifft Barrierefreiheit, nicht die Frage, ob ein Karussell mehr Anfragen bringt.

In der Meetlead-Analyse öffnest du Klick- und Scrollmaps getrennt für Smartphone, Tablet und Desktop und kannst Aufzeichnungen derselben Seite nach Gerät filtern. Die App Heatmaps installierst du für eine ausgewählte Website, und ob Aufzeichnungen gespeichert werden und wie lange ihre Historie reicht, hängt von deinem Tarif ab.

Fragen zum Slider auf der Startseite

Hilft Autoplay, weil Besucher mehr Folien sehen? Nicht unbedingt. Eine Folie, die ein paar Sekunden angezeigt wird, hat noch niemand gelesen, und ein Wechsel mitten im Satz unterbricht die Botschaft. Behältst du den automatischen Wechsel, ergänze einen sichtbaren Pause-Button und prüfe in Aufzeichnungen, ob Klicks auf bereits verschwindende Folien fallen.

Wie lange sollte der Test mit statischem Banner laufen? So lange, bis beide Versionen auf jedem Gerät vergleichbar viele Aufrufe haben und volle Wochen abdecken. Bei wenig Traffic können das mehrere Wochen pro Version sein. Stütze die Entscheidung dann stärker auf Aufzeichnungen und Kundenfragen als auf den reinen Zahlenunterschied.