Die Frage nach dem niedrigsten Preis der letzten 30 Tage klingt meist einfach: „Warum rechnet ihr den Rabatt von einem anderen Betrag?“ oder „Vor zwei Wochen war es billiger, wo ist also die Aktion?“. Dein Supportteam erklärt dann Zahlen, die es nicht selbst festgelegt hat. Eine Antwort aus dem Bauch heraus kann das Vertrauen in die ganze Aktion beschädigen oder einen Punkt einräumen, der erst geprüft werden muss. Hier findest du Vorlagen für fünf typische Situationen und eine Regel, wann ein Chat an die Preisverantwortlichen geht.

Der Text ist keine Rechtsberatung und bewertet nicht, ob eine bestimmte Aktion rechtskonform ist. Er geht von der EU-Regel und ihrer deutschen Umsetzung aus; Österreich hat eine eigene Umsetzung, und in der Schweiz gilt die EU-Regel nicht. Er beschreibt die Arbeit im Support: was du prüfst, wie du antwortest und wie du Hinweise für die Preisverantwortlichen sammelst. Wie du das ganze Team auf eine Kampagne vorbereitest, zeigt der Leitfaden zum Kundenservice am Black Friday, den Preistest vor dem Start der Beitrag zur Black-Friday-Landingpage.

Was der niedrigste Preis der 30 Tage vor der Ermäßigung bedeutet

Nach Artikel 6a der EU-Preisangabenrichtlinie, eingefügt durch die Omnibus-Richtlinie, muss jede Bekanntgabe einer Preisermäßigung den vorherigen Preis nennen: den niedrigsten Preis, den der Händler mindestens 30 Tage vor der Ermäßigung verlangt hat. In Deutschland regelt das § 11 der Preisangabenverordnung (PAngV). Nutzt ein Shop in verschiedenen Vertriebskanälen unterschiedliche Preise, wird der niedrigste Preis laut EU-Kommission für jeden Kanal getrennt ermittelt.

§ 11 PAngV verlangt bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage, erlaubt bei ununterbrochen steigender Ermäßigung den Preis vor deren Beginn und nimmt individuelle Ermäßigungen aus. § 11 PAngV, gesetze-im-internet.de. Die Vorschrift sagt nichts darüber, ob eine bestimmte Aktion in deinem Shop korrekt war.

Für den Support zählt auch die Berechnungsgrundlage. Die Prozentangabe muss sich auf den niedrigsten Preis der 30 Tage beziehen, nicht auf den Preis am Tag vor der Aktion. Die Antwort sollte deshalb denselben Referenzpreis nennen, den die Kundschaft auf der Produktseite sieht. Ein anderer Betrag im Warenkorb ist ein Fehler, den du meldest.

Was du vor der Antwort prüfst

Die meisten Antworten hängen von Daten ab, die die Kundschaft nicht sieht: seit wann die Ermäßigung läuft, welche Preise vorher galten und ob das Produkt überhaupt 30 Tage im Angebot war. Hol sie dir aus dem Shop-Backend oder von der Person, die die Aktion eingerichtet hat. Ohne Zugriff schreibst du, dass du die Preishistorie prüfst, und nennst einen Termin für die Antwort.

  • Startdatum der Ermäßigung und betroffener Vertriebskanal: Onlineshop, App oder Ladengeschäft.
  • Preishistorie des Produkts in diesem Kanal für die 30 Tage vor der Ermäßigung, einschließlich früherer Aktionen.
  • Erster Verkaufstag des Produkts und mögliche Unterbrechungen, etwa wegen fehlenden Bestands.
  • Betrag, auf den sich der Rabatt auf der Produktseite und im Warenkorb bezieht.
  • Art der Aktion: Ermäßigung eines bestimmten Produkts, „3 für 2“, Rabattcode oder Preis für Mitglieder eines Treueprogramms.

Fünf Situationen, die bei jeder Aktion wiederkommen

Fragen zum 30-Tage-Preis folgen wenigen wiederkehrenden Mustern. Die Tabelle zeigt, was du jeweils klärst und worauf die Antwort hinausläuft.

Scrolle die Tabelle seitlich, um alle Spalten zu sehen.

SituationWas du klärstKern der Antwort
Produkt weniger als 30 Tage im VerkaufErster VerkaufstagDer Zeitraum kann ab Verkaufsstart laufen; Landesregel prüfen
Gestaffelte Ermäßigung, erst -20 %, dann -40 %Preise vor jeder Stufe§ 11 Abs. 2 PAngV erlaubt bei ununterbrochener Steigerung den Preis vor Beginn
Streichpreis weicht vom niedrigsten Preis abBedeutung jedes Betrags auf der SeiteBeide Beträge benennen und sagen, worauf sich der Rabatt bezieht
Bedingte Aktion wie „3 für 2“Wurde der Preis eines einzelnen Produkts gesenkt?Bei Kopplungsangeboten ist der 30-Tage-Preis womöglich nicht nötig
Vorwurf einer ScheinaktionPreishistorie und Screenshot der KundschaftAufnehmen, prüfen und an die Preisverantwortlichen geben

Die Leitlinien der EU-Kommission zu Artikel 6a nennen Kopplungsangebote wie „kaufe eines, erhalte zwei“ als nicht erfasst und legen die Ausnahme für schrittweise Ermäßigungen eng aus: Aufeinanderfolgende Kampagnen innerhalb von 30 Tagen fallen nicht darunter. Leitlinien der EU-Kommission, 2021. Die Leitlinien sind nicht verbindlich und ersetzen keine Gerichtsentscheidung.

Bei gestaffelten Ermäßigungen überlässt die Richtlinie die Wahl den Mitgliedstaaten: Deutschland erlaubt den Preis vor der ersten Stufe, Polen nicht. Verkaufst du ins Ausland, lege die Regel für jeden Markt mit den Preisverantwortlichen fest.

Antwortvorlagen zum Speichern als Makros

Die Vorlagen beziehen sich auf einen fiktiven Shop für Küchenzubehör. Die Felder in eckigen Klammern füllst du mit Daten von der Produktseite.

Produkt weniger als 30 Tage im Verkauf

„Diesen Wasserkocher verkaufen wir seit [Datum]. Deshalb ist der Referenzpreis für die Ermäßigung der niedrigste Preis seit diesem Tag, also [Betrag]. Der Rabatt von [Prozent] bezieht sich auf diesen Betrag.“

Gestaffelte Ermäßigung

„Die Ermäßigung ist in zwei Stufen gestiegen. Nach der Regel, die wir in [Land] anwenden, ist der Referenzpreis für die zweite Stufe [Betrag]. Deshalb wirkt der Prozentsatz kleiner als im Vergleich mit dem Preis vor der Aktion.“

Streichpreis

„Auf der Seite siehst du zwei Beträge. [Gestrichener Betrag] ist [Bezeichnung auf der Seite], und [Betrag] ist der niedrigste Preis der 30 Tage vor der Ermäßigung. Den Rabatt von [Prozent] rechnen wir vom zweiten Betrag. Zeigt dein Warenkorb etwas anderes, schick mir bitte einen Screenshot.“

Bedingte Aktion

„Die Aktion „3 für 2“ senkt nicht den Preis eines einzelnen Artikels, sondern legt einen dritten ins Set. Deshalb zeigen wir bei dieser Aktion keinen 30-Tage-Preis für einen Artikel. Ein Topf kostet weiterhin [Betrag].“

Wenn jemand der Aktion Täuschung vorwirft

„Ihr habt den Preis vor der Aktion erhöht“ ist die schwierigste Nachricht, denn der Vorwurf kann stimmen. Dein Team sollte ihn weder ungeprüft zurückweisen noch einräumen, dass der Shop gegen Recht verstoßen hat. Die Aufgabe ist, Fakten zu sammeln, den Fall weiterzugeben und mit dem Ergebnis zurückzukommen.

  1. Bedanken und um einen Beleg bitten.Bitte um einen Screenshot oder das Datum des niedrigeren Preises und um den Kanal: Website, App oder Ladengeschäft.
  2. Mit der Preishistorie vergleichen.Prüfe, ob der genannte Betrag im selben Kanal in den 30 Tagen vor der Ermäßigung galt.
  3. An die Preisverantwortlichen geben.Beschreibe den Fall in einer internen Notiz: Produkt, Daten, Beträge und Screenshot. Versprich keine Erstattung der Differenz und keine Preiskorrektur.
  4. Zum zugesagten Termin antworten.Teile das Ergebnis im selben Gespräch mit und erkläre eine eventuelle Korrektur.

Laut Pressemitteilung des EuGH zum Urteil vom 26. September 2024 in der Rechtssache C-330/23 (Aldi Süd) muss eine in Prozent oder mit einem werbenden Hinweis angekündigte Ermäßigung auf Grundlage des niedrigsten Preises der mindestens 30 Tage davor bestimmt werden. EuGH, Pressemitteilung Nr. 152/24. Das Urteil bewertet keine Aktionen eines bestimmten Onlineshops.

Eine erste Antwort: „Danke für den Hinweis. Ich prüfe die Preishistorie dieses Produkts in unserem Onlineshop und melde mich bis [Termin]. Wenn du einen Screenshot des niedrigeren Preises hast, schick ihn bitte hier.“ Wünsche nach Erstattung der Differenz nach dem Kauf behandelt der Leitfaden zur Preisanpassung nach dem Black Friday. Individuelle Rabatte bespricht der Beitrag darüber, was du tust, wenn ein Kunde einen Rabatt will.

Ein Tag für Produkte und ein Preishinweis im Hilfecenter

Fragen zum 30-Tage-Preis sind ein Signal für die Preisverantwortlichen, nicht nur Arbeit für den Support. Lege einen Tag an, etwa „30-Tage-Preis“, setze ihn bei jedem passenden Gespräch und notiere den Produktnamen in einer internen Notiz. Im Kundenservice von Meetlead hat jeder Tag einen Nutzungszähler, sodass du das Volumen während der Aktion siehst, und die getaggten Gespräche zeigen, nach welchen Produkten gefragt wurde. Einheitliche Namen beschreibt der Leitfaden zum Taggen von Gesprächen und Tickets.

Speichere die Vorlagen als Teammakros in einer Kategorie. Makros unterstützen Variablen, und in der bearbeitbaren Vorschau vor dem Senden trägst du Beträge und Daten ein. Veröffentliche einen kurzen Preishinweis im Hilfecenter im Widget: was der niedrigste Preis der 30 Tage bedeutet, worauf sich eure Rabatte beziehen und wie man Zweifel meldet. Nutzt du Meet AI, gelangen veröffentlichte Artikel automatisch in dessen Wissen, sodass Assistent und Copilot-Vorschläge auf demselben Text beruhen wie dein Team.

Schreib keine Produktbeträge in den Hinweis, denn sie ändern sich mit jeder Aktion. Ändert sich die Preisdarstellung, aktualisiere den Hinweis am selben Tag.

Fragen zum niedrigsten Preis der letzten 30 Tage

Darf das Supportteam selbst einräumen, dass eine Aktion falsch war? Besser nicht. Die rechtliche Bewertung liegt bei den Preisverantwortlichen und im Zweifel bei einer Anwältin oder einem Anwalt. Der Support sammelt Fakten, gibt den Fall weiter und meldet sich mit dem Ergebnis.

Braucht auch ein Rabattcode den niedrigsten Preis der 30 Tage? Die Leitlinien der EU-Kommission behandeln Codes, die vielen oder den meisten Kunden offenstehen, als angekündigte Ermäßigung; personalisierte Rabatte, etwa zum Geburtstag, fallen nicht darunter. Funktioniert ein Code gar nicht, hilft der Leitfaden zum Rabattcode, der nicht funktioniert. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.